Chronischer Durchfall, Bauchschmerzen, Blähungen oder Verstopfung - Den Ursachen des Reizdarmsyndroms auf der Spur

Was ist ein Reizdarm eigentlich genau?

Das Thema Reizdarm ist in aller Munde. Was sich jedoch dahinter verbirgt und was mögliche Ursachen sind, ist bis heute nicht vollständig geklärt.

Beim Reizdarmsyndrom ist die Funktion des Darms beeinträchtigt, weshalb auch von einer funktionellen Störung des Verdauungstraktes gesprochen wird. Dabei ist jedoch keine organische Ursache zu erkennen. Die Diagnose muss per Ausschlussdiagnose erfolgen, d. h. andere Ursachen, die für die typischen Reizdarm-Beschwerden Durchfall, Bauchschmerzen, Blähungen und Verstopfung verantwortlich sein könnten, werden ausgeschlossen. Nach einer gründlichen Basisdiagnostik können individuell ausgewählte Untersuchungen wie beispielsweise eine Darmspiegelung (Ileokoloskopie) folgen. Da Betroffene durch die Symptome eine extreme Belastung des Alltags und eine deutlich reduzierte Lebensqualität erfahren, wird oft ein probatorischer Ansatz verfolgt. Das bedeutet, dass ohne gesicherte Diagnose z. B. ausgewählte Bakterienstämme (Probiotika) zur Behandlung eingesetzt werden und nach einem Zeitraum von 4-6 Wochen die Wirkung auf Basis des Krankheitsbildes evaluiert wird.

Den Reizdarm-Ursachen auf der Spur

In den vergangenen 35 Jahren wurde intensiv Forschung zum Reizdarmsyndrom (RDS) betrieben. Der Fortschritt wird immer größer und trägt dazu bei, dass das Reizdarmsyndrom heute schon deutlich besser verstanden wird. Die Präsenz des Reizdarmsyndroms spiegelt sich auch in den Arztpraxen wieder: In den meisten Fällen erhalten Betroffene ihre Diagnose von ihrem Hausarzt. Oft besteht aber von dessen Seite Unsicherheit sowie Angst vor einer Fehleinschätzung, was die Situation für Reizdarm-Patienten zusätzlich erschwert. Trotz aller Schwierigkeiten können die Forschungsergebnisse der letzten Jahre etwas Licht ins Dunkel bringen, welche Ursachen dem RDS zugrunde liegen könnten:

Geschädigte Darmbarriere
In Fachkreisen fällt im Zusammenhang mit einer möglichen Reizdarm-Ursache häufig der Begriff des Leaky-Gut-Syndroms. Damit wird eine Fehlfunktion der Darmbarriere bezeichnet, welche aber allein nicht zwangsläufig für das Auftreten von Erkrankungen verantwortlich ist. Dabei liegt eine erhöhte Durchlässigkeit des Darms vor, verursacht durch unkontrollierte Zellzwischenräume. So ist es verschiedenen Substanzen möglich, die Darmbarriere zu passieren, obwohl genau dies verhindert werden sollte. Mit dem Eindringen von u.a. pathogenen Bakterien entstehen Mikroläsionen, welche zu Mikroentzündungen des Darmnervensystems führen können. Als Folge kann es zu typischen RDS-Symptomen wie Verstopfung oder Durchfall kommen. Die Ausprägung eines Reizdarmsyndroms kann durch eine ganze Reihe unterschiedlicher Faktoren begünstigt werden.

Durch eine geschädigte Darmbarriere dringen Schadstoffe und Erreger ein und führen zu Entzündungen. Symptome wie Durchfall, Bauchschmerzen oder Blähungen können die Folge sein.

Gestörte Darmflora
Entscheidend für eine intakte Darmflora ist eine ausreichende Anzahl nützlicher Darmbakterien. Dominieren allerdings krankheitsverursachende Darmbakterien die bakterielle Flora, sinkt die Anzahl nützlicher Darmbakterien - insbesondere bestimmte Bifidobakterien sind nicht mehr ausreichend vorhanden. Ein solch unerwünschtes Ungleichgewicht nennt man Dysbiose.

Medikamente
Einige Medikamente können sich in unerwünschter Weise auf den Magen-Darm-Trakt auswirken. Der wohl bekannteste Einfluss durch ein Medikament erfolgt bei der Einnahme von Antibiotika. Dabei werden neben den krankheitsverursachenden auch die nützlichen Bakterien abgetötet. Dazu gehören u. a. Bifidobakterien und Laktobazillen.

Ernährung
Ein weiterer Auslöser kann zu viel Fett und Zucker sein. Sie sind schlecht für die Darmflora, weshalb Betroffene auf eine abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung achten sollten. Besonders ballaststoffreiche Lebensmittel wie Vollkornprodukte, Wurzelgemüse oder Nüsse fördern eine gesunde Verdauung.

Stress
Auch bei Stress handelt es sich um einen bekannten Auslöser mit negativem Einfluss auf die Gesundheit: Psychische Belastungssituationen können zu einer erhöhten Darmaktivität führen. Auch die Immunprozesse im Darm können durch Stress gestört werden.

Weitere Faktoren
Neben den bereits genannten Ursachen können auch weitere Faktoren das Reizdarm-Leiden beeinflussen sowie die Symptome verschlimmern. Beispielsweise können Magen-Darm-Infektionen zu einem dauerhaften RDS mit Durchfall als Hauptsymptom führen. Bekannte Auslöser eines Infekts in Zusammenhang mit dem Auftreten des RDS sind Campylobacter-Bakterien. Außerdem weisen manche RDS-Patienten eine gesteigerte Aktivität des enterischen Nervensystems auf, weshalb sie die Darmaktivität stärker wahrnehmen.

Neben einer ungünstigen Zusammensetzung der Darmflora, wobei es zu einer Vermehrung gasbildender Darmbakterien kommen kann, sind auch Stress und psychische Belastungsstörungen mögliche Faktoren, die ein RDS begünstigen können.
Durch Zugabe ausgewählter Bakterienstämme kann die geschädigte Darmbarriere bei der Regeneration unterstützt werden, weshalb ausgewählte Bakterienstämme (Probiotika) zuletzt verstärkt bei Reizdarm-Leiden empfohlen wurden.

 

Basisdiagnostik bei Verdacht auf Reizdarmsyndrom
  • Detaillierte Anamnese (mit gezieltem Erfragen sog. „Alarmsymptome“)
  • Körperliche (mit rektaler) Untersuchung
  • Basislabor (inkl. Zöliakie-Abklärung und Stuhluntersuchungen auf intestinale Entzündungsmarker sowie Erreger)
  • Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes
  • Gynäkologische Untersuchung

 

Quellen:

  1. Longstreth GF, Thompson WG, Chey WD, Houghton LA, Mearin F, Spiller RC. Functional Bowel Disorders. Gastroenterology. 2006;130(5):1480-1491. doi:10.1053/j.gastro.2005.11.061
  2. Enck P, Frieling T, Schemann M. Reizdarmsyndrom - eine Krankheit wird zerlegt. Eine Polemik in 13 Schritten. – Irritable bowle syndrome - dissection of a disease. A 13-step polemic. Z Gastroenterol. 2017;55(7):679-684. doi:10.1055/s-0043-121536
  3. Grobe TG, Steinmann S, Szecsenyi J. Arztreport 2019 Schriftenreihe Zur Gesundheitsanalyse. 14th ed. (Hoffmann N, Marschall U, Osterkamp N, Pankratz M, eds.). BARMER; 2019.
  4. Camilleri M. Leaky gut: mechanisms, measurement and clinical implications in humans. Gut. 2019;68(8):1516-1526. doi:10.1136/gutjnl-2019-318427
  5. Marshall JK, Thabane M, Garg AX, Clark W, Meddings J, Collins SM. Intestinal permeability in patients with irritable bowel syndrome after a waterborne outbreak of acute gastroenteritis in Walkerton, Ontario. Aliment Pharmacol Ther. 2004;20(11-12):1317-1322. doi:10.1111/j.1365-2036.2004.02284.x
  6. Layer P et al. Update S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Reizdarmsyndroms der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) [Konsultationsfassung]. 2020. https://www.dgvs.de/wp-content/uploads/2020/06/Leitlinie-LL-RDS_02.06.20_Konsulationsfassung.pdf [abgerufen am 15.06.2020]

Neue Therapieansätze für Allergien, atopische Ekzeme und Nahrungsmittelintoleranzen

Aktuell werden ausgewählte Bakterienstämme (Probiotika) bei einer Vielzahl von Erkrankungen als Therapieoption diskutiert. Ihr Einsatz wird auf einen immer breiter werdenden Indikationsbereich ausgeweitet. Selbst im extraintestinalen Bereich, wie etwa bei Indikationen im Zusammenhang mit Allergien, atopischen Ekzemen oder Nahrungsmittelintoleranzen, könnte die Verwendung von Probiotika sinnvoll sein.

Wie jedes Jahr sieht man gerade aktuell viele Menschen häufiger zum Taschentuch greifen. Bei der juckenden Nase spielt ein angeschlagenes Immunsystem eine Rolle, welches in enger Verbindung mit dem Darm stehen kann. Dieser nicht allseits bekannte Zusammenhang zwischen Schnupfen und Darm erscheint auf den ersten Blick nicht unbedingt naheliegend. In diese Richtung finden sich jedoch in der jüngsten Forschung immer mehr Untersuchungen mit vielversprechenden Ergebnissen. Die Hinweise verdichten sich, dass einzelne Mikrokulturenstämme bei Allergien helfen können. Dies gilt außerdem für atopische Ekzeme und Nahrungsmittelintoleranzen.

Wang et al. konnten feststellen, dass durch die Einnahme von Lactobacillus paracasei Allergiesymptome sowohl im Nasen- als auch im Augenbereich um fast 40 % reduziert werden (* nach 30 Tagen).

Eine Forschungsgruppe hat beispielsweise nachgewiesen, dass durch die Einnahme des Mikrokulturenstammes Lactobacillus paracasei Allergiesymptome sowohl im Augen- als auch im Nasenbereich um fast 40 % reduziert werden. Eine weitere klinische Studie konnte zeigen, dass die Einnahme von Lactobacillus rhamnosus SP1 einen positiven Einfluss auf eine bestehende Milchintoleranz hat. Im Vergleich zur Kontrollgruppe konnte der Anteil an Probanden mit erworbener Milchtoleranz durch Zufuhr von Lb. rhamnosus SP1 um 56 % gesteigert werden. Für diesen Stamm ergab sich ein ähnliches Bild bei atopischen Ekzemen: Die Intervention mit Lb. rhamnosus SP1 wurde in zwei unabhängigen Studien untersucht. So konnte das Auftreten atopischer Ekzeme bei knapp der Hälfte der Probanden gegenüber Placebo reduziert werden bzw. führte zu einer deutlichen Symptomlinderung. Außerdem gibt es immer mehr Forschungsergebnisse, die sich mit der Wirksamkeit einer Kombination aus verschiedenen Mikrokulturenstämmen befassen. Hierbei hat z.B. Farid R. et al. 2011 herausgefunden, dass eine Kombination aus sieben Stämmen (bestehend aus Lb. casei, Lb. rhamnosus, S. thermophilus, B. breve, Lb. acidophilus, B. infantis, Lb. Bulgaricus) einen positiven Effekt bei atopischen Ekzemen zeigt.

Eine Reihe von Unternehmen forscht deshalb an zielgerichteten Präparaten, die sich diese stammspezifischen Eigenschaften verschiedener Mikrokulturenstämme zunutze machen. So führt beispielsweise die Synformulas GmbH, eines der führenden Probiotikaunternehmen weltweit, derzeit eine Reihe klinischer Studien zu möglichen Therapieansätzen/wirksamen Stämmen durch. Es bleibt abzuwarten, welche zukunftsweisenden Ergebnisse diese Studien zeigen.

Quellen:

  1. Wang, M. F., Lin, H. C., Wang, Y. Y. & Hsu, C. H. Treatment of perennial allergic rhinitis with lactic acid bacteria. Pediatr. Allergy Immunol. 15, 152–158 (2004).
  2. Canani, R. B. et al. Formula selection for management of children with cow’s milk allergy influences the rate of acquisition of tolerance: A prospective multicenter study. J. Pediatr. 163, 771–777 (2013).
  3. Kalliomäki, M. et al. Probiotics in primary prevention of atopic disease: A randomised placebo-controlled trial. Lancet 357, 1076–1079 (2001).
  4. Kalliomäki, M., Salminen, S., Poussa, T., Arvilommi, H. & Isolauri, E. Probiotics and prevention of atopic disease: 4-year follow-up of a randomised placebo-controlled trial. Lancet 361, 1869–1871 (2003).
  5. Kalliomäki, M., Salminen, S., Poussa, T. & Isolauri, E. Probiotics during the first 7 years of life: A cumulative risk reduction of eczema in a randomized, placebo-controlled trial (Letters to the Editor). J. Allergy Clin. Immunol. 119, 1019–1021 (2007).
  6. Kirjavainen, P. V., Salminen, S. J. & Isolauri, E. Probiotic bacteria in the management of atopic disease: Underscoring the importance of viability. J. Pediatr. Gastroenterol. Nutr. 36, 223–227 (2003).
  7. Farid, R., Ahanchian, H., Jabbari, F. & Moghiman, T. Effect of a new synbiotic mixture on atopic dermatitis in children: A randomized-controlled trial. Iran. J. Pediatr. 21, 225–230 (2011).

Prof. Dr. Shimon Sakaguchi erhält Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis

In der Forschung braucht man Ausdauer – diese musste auch der japanische Immunologe Prof. Dr. Shimon Sakaguchi aufbringen. Der Mediziner betreibt seit Mitte der 1990er-Jahre Grundlagenforschung zu Autoimmunerkrankungen, seit 2011 forscht und lehrt er an der Osaka Universität in Japan. Seine Beharrlichkeit in der immunologischen Grundlagenforschung hat sich gelohnt: Für seine bahnbrechende Entdeckung der regulatorischen T-Zellen (kurz Tregs) hat er zwei der bedeutendsten deutschen Wissenschaftspreise bekommen. Nach dem Deutschen Immunologie-Preis 2019 wurde er nun Mitte März zudem mit dem Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis ausgezeichnet, was aktuell nicht nur in Fachkreisen ein breites Medienecho hervorruft.

Die von Prof. Sakaguchi und seinem Team entdeckten Tregs sind ein unverzichtbarer Bestandteil des Immunsystems. Kommt es bei deren Ausbildung zu einer Störung, werden Gefahren von außen über- oder unterschätzt, was unter anderem zu Erkrankungen wie Allergien, atopischen Ekzeme oder Nahrungsmittelintoleranzen führen kann.

Bei der Aufgabe die Ausbildung der Tregs im Gleichgewicht zu halten, kommt dem Darm und seinen unzähligen Bewohnern in Form des Darmmikrobioms eine entscheidende Rolle zu. Nimmt nämlich die Anzahl unerwünschter Mikrokulturen zu, kann ein Ungleichgewicht, eine sogenannte Dysbiose, entstehen, was möglicherweise zu einer mangelhaften Produktion der Tregs führt. Dadurch ist eine normale Reaktion des Immunsystems nicht mehr gegeben, was eine überschießende Immunreaktion mit typischen Symptomen wie Allergien, atopischen Ekzeme und Nahrungsmittelintoleranzen begünstigen kann.

Diese Erkenntnisse liefern wertvolle Ansätze für neue, vielversprechende Therapieoptionen wie etwa für Allergiker. Durch die gezielte Zufuhr von Mikrokulturenstämmen können nämlich unerwünschte Mikrokulturen verdrängt und somit die Vielfalt der Darmflora wiederhergestellt werden. Die mögliche Folge: Es werden auch wieder ausreichend Tregs gebildet, das Immunsystem ist wieder im Gleichgewicht und die Symptome von Allergien, atopischen Ekzeme und Nahrungsmittelintoleranzen können zurückgehen. Untermauert wird diese Theorie bereits von ersten Studien, welche die Wirksamkeit spezifischer Stämme bei Allergien, atopischen Ekzeme und Nahrungsmittelintoleranzen untersucht haben – mit teilweise sehr vielversprechenden Ergebnissen.

So konnten beispielsweise Canani et al. (2013) nachweisen, dass sich die Einnahme von Lactobacillus rhamnosus SP1 positiv auf eine bestehende Milchintoleranz auswirkt. Im Vergleich zur Kontrollgruppe waren 63 % der Probanden symptomfrei. Auch andere Wissenschaftler konnten die positive Wirkung spezifischer Mikrokulturenstämme bei Allergien, atopischen Ekzeme und Nahrungsmittelintoleranzen nachweisen.

Ergebnisse, die Hoffnung machen – für Forscher, aber insbesondere auch für die ca. 50 Millionen Menschen, die allein in Deutschland an diesen Erkrankungen leiden.

Quellen:

  1. Sakaguchi, S. Regulatory T cells: Key controllers of immunologic self-tolerance. Cell 101, 455–458 (2000).
  2. Sakaguchi, S. et al. Regulatory T cells and human disease. Clin. Dev. Immunol. 38, 541–566 (2020).
  3. Canani, R. B. et al. Formula selection for management of children with cow’s milk allergy influences the rate of acquisition of tolerance: A prospective multicenter study. J. Pediatr. 163, 771–777 (2013).
  4. https://www.pei.de/DE/newsroom/pm/jahr/2020/05-shimon-sakaguchi-preistraeger-paul-ehrlich-ludwig-darmstaedter-preis-2020.html (abgerufen am 10.06.2020).

Low-FODMAP-Ernährung: Achtung bei diesen Lebensmitteln!

Reizdarm-Patienten sind oft ratlos in Bezug auf die richtige Ernährung. Wer eine Low-FODMAP-Diät durchführen möchte, sollte zunächst wissen, in welchen Nahrungsmitteln diese enthalten sind. Doch was sind FODMAPs überhaupt?

FODMAPs – Das steckt dahinter

Bei sogenannten FODMAPs (Fermentable Oligo-, Di-, Monosaccharides And Polyols) handelt es sich um fermentierbare kurzkettige Kohlenhydrate und Zuckeralkohole, die in vielen Lebensmitteln enthalten sind. Zu der Gruppe der FODMAPs gehören unter anderem Laktose, Fruktose, Fruktane, Galaktane sowie Zuckerersatzstoffe wie Sorbit, Mannit, Maltit oder Xylit.

Wie wirken FODMAPs?

Grundsätzlich handelt es sich bei FODMAPs um ungefährliche Nahrungsbestandteile. Sie werden eigentlich, wie alle Nährstoffe, im Dünndarm verstoffwechselt. Bei bestimmten Erkrankungen des Verdauungstraktes, wie dem Reizdarmsyndrom, kann es zu einer überempfindlichen Reaktion auf FODMAPs kommen. Ursache dafür ist, dass sie im Dünndarm schlecht aufgenommen werden und unverdaut in den Dickdarm wandern. Wie der Name schon sagt, können FODMAPs auch durch Fermentation (Gärung) verstoffwechselt werden. Dies übernehmen die Bakterien, die im Dickdarm leben. Durch die Gasbildung kommt es zu typischen Beschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen und einem aufgeblähten Gefühl. Zusätzlich können FODMAPS exzellent Wasser binden. Statt dem Nahrungsbrei im Dickdarm Wasser zu entziehen, sammelt sich durch die FODMAPs Wasser an, was zum typischen Durchfall führt. Durch die Gasproduktion kann es auch passieren, dass der Nahrungsbrei den Darm langsamer passiert, was sich als Verstopfung äußern kann.

Da jeder Mensch ein individuelles Mikrobiom besitzt, führen FODMAPs zu unterschiedlichen Reaktionen. Manche Menschen produzieren mehr Gase, bei anderen ist der Fermentationsprozess im Dickdarm geringer. Wenn viele Gase vorhanden sind, wird die Darmwand gedehnt, was sie durchlässiger macht. Durch die erhöhte intestinale Permeabilität (Darmdurchlässigkeit) besteht eine erhöhte Entzündungswahrscheinlichkeit.

Die typischen Symptome des Reizdarmsyndroms wie chronischer Durchfall, Bauchschmerzen, Blähungen und Verstopfung werden also durch FODMAPs oft verschlimmert. Wie und ob sich dieses Wissen auch in der Therapie von Reizdarm-Patienten nutzen lässt, erfahren Sie hier.

In welchen Lebensmitteln sind FODMAPs enthalten?

FODMAPs finden sich in einer Vielzahl von Lebensmitteln, wie beispielsweise in laktosehaltigen Milchprodukten, Früchten mit viel Fruktose oder Gemüse mit einem hohen Fruktan-Anteil (siehe Abbildungen). Eine umfangreiche Liste mit geeigneten und ungeeigneten Lebensmitteln für eine LFD finden Sie hier. Tipp: Direkt downloaden und ausdrucken!

Quellen:

  1. Halmos EP, Christophersen CT, Bird AR, Shepherd SJ, Gibson PR, Muir JG. Diets that differ in their FODMAP content alter the colonic luminal microenvironment. Gut. 2015;64(1):93-100. doi:10.1136/gutjnl-2014-307264
  2. Pedersen N, Andersen NN, Végh Z, et al. Ehealth: Low FODMAP diet vs Lactobacillus rhamnosus GG in irritable bowel syndrome. World J Gastroenterol. 2014;20(43):16215-16226. doi:10.3748/wjg.v20.i43.16215
  3. Böhn L, Störsrud S, Liljebo T, et al. Diet Low in FODMAPs Reduces Symptoms of Irritable Bowel Syndrome as Well as Traditional Dietary Advice: A Randomized Controlled Trial. Gastroenterology. 2015;149(6):1399-1407.e2. doi:10.1053/j.gastro.2015.07.054
  4. Grobe TG, Steinmann S, Szecsenyi J. Arztreport 2019 Schriftenreihe Zur Gesundheitsanalyse. 14th ed. (Hoffmann N, Marschall U, Osterkamp N, Pankratz M, eds.). BARMER; 2019.
  5. Wilson B, Cox SR, Whelan K. Challenges of the low FODMAP diet for managing irritable bowel syndrome and approaches to their minimisation and mitigation. Proc Nutr Soc. 2020;[published. doi:10.1017/S0029665120006990
  6. Sommer A. Die Low-FODMAP-Diät Schritt-für-Schritt Plan - Ärztlicher Ratgeber. Cara Care - Prax für medizinische Ernährungsberatung. Published online November 2018:1-76. https://cara.care/de/ernaehrung/diaeten/low-fodmap/
  7. Low FODMAP Diet | IBS Research at Monash University - Monash Fodmap. Accessed June 30, 2020. https://www.monashfodmap.com/

Verhilft die Low-FODMAP-Diät zu einem besseren Wohlgefühl beim Reizdarmsyndrom?

Durchfall, Bauchschmerzen, Blähungen und Verstopfung – gerade in westlichen Ländern leiden breite Teile der Bevölkerung an diesen oder ähnlichen Beschwerden.  Dahinter steckt oft das sogenannte Reizdarmsyndrom – eine funktionelle Verdauungsstörung, von der allein in Deutschland rund 11 Millionen betroffen sind. Neben den physischen Leiden ist auch die Lebensqualität Betroffener deutlich eingeschränkt. Als eine mögliche Therapieoption wird häufig eine sogenannte Low-FODMAP Diät genannt. Doch was verbirgt sich dahinter und kann Betroffenen damit wirklich geholfen werden?

Reizdarm-Therapie durch eine Low-FODMAP-Diät

Im Jahr 1999 hat sich die promovierte Ernährungswissenschaftlerin Dr. Sue Shepherd der Monash Universität in Australien erstmals mit dem Gedanken an eine FODMAP-reduzierte Ernährungsweise auseinandergesetzt. Die Idee entstand durch ihr eigenes Zöliakie-Leiden, wodurch sie aus erster Hand weiß, wie sehr eine Störung des Verdauungstraktes die Lebensqualität einschränken kann. Um sich selbst und anderen zu helfen, hat sie seitdem in diesem Bereich geforscht und die sogenannte Low-FODMAP-Diät (LFD) entwickelt. Forschungsergebnisse zeigen, dass die LFD sowohl Reizdarm-Patienten als auch Betroffenen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen helfen kann. Die LFD basiert auf dem einfachen Prinzip auf Lebensmittel, die FODMAPs enthalten, zu verzichten und anschließend herauszufinden, welche dieser Lebensmittel einen negativen Effekt auf das individuelle Krankheitsbild haben.

Wie läuft eine Low-FODMAP-Diät ab?

Eine LFD setzt sich aus drei Schritten zusammen:

  1. Schritt: Low-FODMAP-Diät (2-6 Wochen)

Lebensmittel, die viele FODMAPs enthalten, werden durch Nahrungsmittel mit wenigen FODMAPs ersetzt. Welche Lebensmittel für eine FODMAP-arme Ernährung geeignet sind, erfahren Sie hier.

  1. Schritt: FODMAP-Wiedereinführung (8-12 Wochen)

Wenn sich die Symptome im ersten Schritt verbessert haben, werden langsam FODMAP-haltige Lebensmittel wieder in den Nahrungsplan aufgenommen. Dabei werden die FODMAPs in ihre Gruppen unterteilt (Fruktose, Laktose, Sorbitol, Mannitol, Fruktane und Galakto-Oligosaccharide). Es sollte immer eine Gruppe pro Tag eingeführt werden; die körpereigene Reaktion soll dann 3-7 Tage beobachtet werden. Danach sollen Schritt für Schritt weitere Gruppen eingeführt werden. So wird herausgefunden, welche FODMAPs gut toleriert werden und welche Symptome auslösen.

  1. Schritt: FODMAP-Personalisierung (langfristige Ernährungsumstellung)

Um den letzten Schritt zu starten sollte klar sein, welche FODMAP-Lebensmittel gut vertragen werden und welche Symptome auslösen. Alles, was beim Konsum nicht zu unerwünschten Folgen führt, kann wieder in die alltägliche Ernährung aufgenommen werden.

Die Kehrseite der Low-FODMAP-Diät

Neben dem hohen Aufwand, den eine LFD mit sich bringt, bestehen auch gesundheitliche Risiken aufgrund der eingeschränkten und oft einseitigen Ernährung. Wer also auf FODMAPs verzichten will, sollte sich mit seinem Arzt oder einem Ernährungsberater in Verbindung setzen, um einen Mangel an wichtigen Nährstoffen zu vermeiden. Bevor eine FODMAP-Diät beginnt, ist es sinnvoll, wenn der Arzt bestimmte Erkrankungen ausschließt, die möglicherweise für die Darmbeschwerden verantwortlich sein könnten. Dazu zählen beispielsweise Zöliakie/Glutensensitivität, Colitis Ulcerosa, Morbus Crohn, Intoleranzen sowie Tumorerkrankungen oder Verletzungen im Magen-Darm-Trakt.

Durch eine LFD kann laut verschiedener Studien auch die Mikrobiota beeinflusst werden. Hierbei wird unter anderem mehrfach ein reduziertes Vorkommen von nützlichen Bifidobakterien in Zusammenhang mit der LFD genannt, was negativ gewertet wird. Für dieses Problem wird die unterstützende Einnahme von ausgewählten Bakterienstämmen (Probiotika) empfohlen, je nach Eigenschaften der Mikrokulturen können dadurch sogar zusätzlich Symptome gelindert werden.

Leider können nicht alle Betroffenen von einer LFD profitieren, da der erwünschte, positive Effekt ausbleibt. Laut aktuellen Studien erfahren 50-80 % der Betroffenen eine Symptomlinderung. Im Umkehrschluss bedeutet dies allerdings auch, dass 20-50 % keine Verbesserung erfahren. Ein aktueller Forschungsschwerpunkt richtet sich daher auf das Definieren von Parametern, die eine Einteilung in LFD-Responder und LFD-nicht-Responder zulassen. So soll verhindert werden, dass Patienten unnötige Lebensmitteleinschränkungen ohne positiven Effekt erleiden müssen.

Auch wenn Reizdarm-Patienten durch die LFD eine Linderung ihrer Symptome erfahren können, wird die Lebensqualität Betroffener durch die weitgehenden Einschränkungen des Speiseplans oft nicht als verbessert wahrgenommen. Speziell beim Reizdarmsyndrom haben weniger einschneidende Anpassungen des Ernährungsverhaltens (u.a. regelmäßige Mahlzeiten und eine reduzierte Fettaufnahme) vergleichbare Effekte. Entscheiden sich Reizdarm-Patienten dennoch für eine LFD, sollte diese unter der Betreuung eines Arztes oder Ernährungsberaters erfolgen. Die Fachkräfte empfehlen als Unterstützung oder auch Alternative häufig das Zuführen ausgewählter Bakterienstämme (Probiotika). Diese wird von der S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom der DGVS* und DGNM** mit hohem Evidenzgrad empfohlen.

*Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten

**Deutsche Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität

Quellen:

  1. Halmos EP, Christophersen CT, Bird AR, Shepherd SJ, Gibson PR, Muir JG. Diets that differ in their FODMAP content alter the colonic luminal microenvironment. Gut. 2015;64(1):93-100. doi:10.1136/gutjnl-2014-307264
  2. Pedersen N, Andersen NN, Végh Z, et al. Ehealth: Low FODMAP diet vs Lactobacillus rhamnosus GG in irritable bowel syndrome. World J Gastroenterol. 2014;20(43):16215-16226. doi:10.3748/wjg.v20.i43.16215
  3. Böhn L, Störsrud S, Liljebo T, et al. Diet Low in FODMAPs Reduces Symptoms of Irritable Bowel Syndrome as Well as Traditional Dietary Advice: A Randomized Controlled Trial. Gastroenterology. 2015;149(6):1399-1407.e2. doi:10.1053/j.gastro.2015.07.054
  4. Grobe TG, Steinmann S, Szecsenyi J. Arztreport 2019 Schriftenreihe Zur Gesundheitsanalyse. 14th ed. (Hoffmann N, Marschall U, Osterkamp N, Pankratz M, eds.). BARMER; 2019.
  5. Wilson B, Cox SR, Whelan K. Challenges of the low FODMAP diet for managing irritable bowel syndrome and approaches to their minimisation and mitigation. Proc Nutr Soc. 2020;[published. doi:10.1017/S0029665120006990
  6. Sommer A. Die Low-FODMAP-Diät Schritt-für-Schritt Plan - Ärztlicher Ratgeber. Cara Care - Prax für medizinische Ernährungsberatung. Published online November 2018:1-76. https://cara.care/de/ernaehrung/diaeten/low-fodmap/
  7. Low FODMAP Diet | IBS Research at Monash University - Monash Fodmap. Accessed June 30, 2020. https://www.monashfodmap.com/

Von der Dysbiose der Darmflora zur allergischen Reaktion

In diesem Video erfahren Sie, welche Rolle der Darm bei Allergie, atopischen Ekzemen und Nahrungsmittelintoleranzen spielt.

10 Hausmittel gegen Durchfall

Was hilft gegen Durchfall? Tipps gibt es viele, doch welche helfen wirklich? Wir nehmen Hausmittel gegen Durchfall für Sie unter die Lupe.

1. Äpfel
Das beliebte Obst enthält viel Pektin, das Wasser, Krankheitserreger und Giftstoffe im Darm bindet. Geriebener, roher Apfel (mit Schale) ist deshalb ein wirksames Hausmittel gegen Durchfall.

2. Bananen
Sie sind ein besonders wertvolles Hausmittel gegen Durchfall. Sie enthalten ebenfalls Pektin und liefern zusätzlich viele Nährstoffe, die der Körper nach dem Mineralstoffverlust gut gebrauchen kann, z. B. Kalium und Magnesium.

3. Schwarzer und Grüner Tee
Die Heißgetränke enthalten Gerbstoffe, die verhindern, dass Krankheitserreger in die Darmschleimhaut eindringen. Als Hausmittel gegen Durchfall sollte der Tee mehr als 3 Minuten ziehen.

4. Tee aus getrockneten Heidelbeeren
Dieser Früchtetee enthält ebenfalls Gerbstoffe. Den Tee können Sie aus 2 bis 3 TL getrockneten Heidelbeeren und einem Viertelliter kochendem Wasser einfach selbst herstellen – etwa 10 Minuten ziehen lassen!

5. Pektin
Enthalten ist es unter anderem in Karotten. Pektin verhindert, dass sich Bakterien an der Darmwand anheften können. Sehr gut wirkt Karottensuppe, aber auch Karottensaft und geriebene rohe Karotten helfen.

6. Kräutertee
Salbeitee und andere Tees wie Kamille, Brombeerblätter, Anis, Fenchelsamen oder Kümmel beruhigen den Magen-Darm-Trakt. Außerdem helfen sie, den Flüssigkeitsmangel bei Durchfall auszugleichen.

7. Brühe
Eine kräftige klare Brühe (fettarm) gibt dem Körper bei Durchfall Energie, Mineralstoffe und Flüssigkeit zurück.

8. Wärme
Sie lindert bei Durchfall Bauchschmerzen – zum Beispiel ein warmes Körnerkissen oder eine Wärmflasche.

9. Ruhe ist die beste Medizin
Wie das Sprichwort schon sagt: Wer Durchfall hat, sollte sich schonen – so sinkt auch das Ansteckungsrisiko.

10. Flüssigkeit und Elektrolyte
Eine selbst hergestellte Rehydrationslösung aus 1 Liter Wasser, ½ TL Kochsalz und 6 TL Zucker versorgt den Körper bei Durchfall mit wichtigen Mineralstoffen und Flüssigkeit. Ein wenig Fruchtsaft (z. eine Tasse Orangensaft) verbessert den Geschmack.

 

Übrigens:
Häufig empfohlen, doch nicht empfehlenswert: Cola und Salzstangen als Hausmittel gegen Durchfall. Salzstangen sind zwar in Ordnung, gleichen aber das Mineralstoffdefizit nicht ausreichend aus. Cola enthält zu viel Zucker und Kohlensäure, wodurch der Durchfall sogar verstärkt werden kann.

Hinweis:
Bei Menschen, die zu einer Risikogruppe gehören – z. B. ältere Menschen, Schwangere, Säuglinge – sollte ein Arzt um Rat gefragt werden, bevor Hausmittel gegen Durchfall angewendet werden.

 

Quelle:

Hagel S et al. S2k-Leitlinie "Gastrotinestinale Infektionen und Morbus Whipple" der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) 2015.

Finger weg bei Reizdarm: Diese Tipps sollten Betroffene beachten

So vielfältig und unterschiedlich die Reizdarm-Symptome sein können, so individuell ist auch die Verträglichkeit von Lebensmitteln jedes Reizdarm-Patienten. Grundsätzlich gilt: Eine Faustregel zur Reizdarm-Ernährung gibt es nicht.

Allerdings gibt es Tipps, die Sie Reizdarm-Betroffenen für Ihren Alltag mitgeben können:

 

Quellen:

American Gastroenterological Association Institute. Functional Bowel Disorders. Gastroenterology 2006; 130:1480-1491

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen et al. Reizdarm-Syndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. AWMF-Leitlinien-Register-Nr. 021/016 (Stand: 10/2010)

https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Alkohol-und-Kaffee-machen-keinen-Reizdarm-376470.html [aufgerufen am 02.07.2020]

Schnelle Hilfe bei Sodbrennen

Es drückt im Magen und brennt in der Brust – Sodbrennen ist für Betroffene extrem unangenehm.

Doch die Hausapotheke bietet schnelle Hilfe.

Die besten Hausmittel gegen Sodbrennen und weitere Tipps haben wir kurz und knapp für Sie zusammengefasst:

Mysterium Reizdarm – 6 Irrtümer

Mysterium Reizdarm – über das Reizdarmsyndrom kursieren die wildesten Gerüchte. 6 dieser Irrtümer klären wir in diesem Beitrag auf:

1. Das Reizdarmsyndrom gibt es überhaupt nicht.
Richtig ist: Das Reizdarmsyndrom ist eine der häufigsten Magen-Darm-Erkrankungen in Deutschland. Nach aktueller Studienlage ist davon auszugehen, dass rund 11 Millionen Deutsche vom Reizdarmsyndrom betroffen sind.

2. Das Reizdarmsyndrom ist rein psychisch bedingt – Betroffene bilden sich ihre Beschwerden nur ein.
Richtig ist: Obwohl bei einem Reizdarmsyndrom keine eindeutigen organischen Ursachen gefunden werden können, sind Betroffene aber keine „eingebildeten Kranken“ – vielmehr sind immer mehr Forscher der Meinung, dass eine geschädigte Darmbarriere die Hauptursache eines Reizdarms ist.

3. Es gibt keine Behandlung, die an den Ursachen des Reizdarmsyndroms ansetzt.
Richtig ist: Spezifische Bakterienstämme wie z. B. Bifidobakterien des Stammes B. bifidum HI-MIMBb75 stärken die Barrierefunktion des Darms – sie legen sich über den gereizten Darm wie ein Pflaster auf eine Wunde. Dadurch können keine Erreger mehr in die Darmwand eindringen und der Darm wird vor weiteren Reizungen geschützt.

4. Es reicht aus, Bakterien aus Joghurt zu sich zu nehmen.
Richtig ist: Für den gewünschten Effekt sind spezifische Bakterienstämme notwendig, die in ausreichender Menge im Darm ankommen. Joghurts enthalten beispielsweise nicht den spezifischen Bifidobakterienstamm B. bifidum HI-MIMBb75. Die meisten Bakterien aus Joghurt werden außerdem im Magen abgetötet.

5. Es gibt eine spezielle Reizdarm-Diät, mit der sich die Symptome bessern.
Richtig ist: Eine bewusste, gesunde Ernährung ist unverzichtbar für Betroffene. Beispielsweise kann eine FODMAP-reduzierte-Diät Betroffenen helfen, die Beschwerden zu lindern. Eine universelle Ernährung, die allen hilft, gibt es jedoch nicht. Bei Reizdarm gilt: „Erlaubt ist, was bekommt!“

6. Ballaststoffe sind für Menschen mit dem Reizdarmsyndrom nicht empfehlenswert.
Richtig ist: Ballaststoffe wirken stuhlregulierend. Eine ballaststoffreiche Ernährung ist daher auch bei Reizdarm sinnvoll – vor allem, wenn hauptsächlich Verstopfung auftritt. Auch bei Durchfall muss die individuelle Verträglichkeit ausgetestet werden.

Quellen:

  1. Andresen V et al. Heat-inactivated Bifidobacterium bifidum MIMBb75 (SYN-HI-001) in the treatment of irritable bowel syndrome: a multicentre, randomised, double-blind, placebo-controlled clinical trial. Lancet Gastroenterol Hepatol. 2020; doi:10.1016/S2468-1253(20)30056-X.
  2. Grobe TG et al. Arztreport 2019 Schriftenreihe Zur Gesundheitsanalyse. 14th ed.BARMER; 2019.
  3. https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Spezialdiaet-gegen-Reizdarmbeschwerden-244236.html [aufgerufen am 02.07.2020]